Dwarf Reminder

Reminder Ö16 – Schüler ohne Stift, Autoren ohne Schrift

Herzlich Willkommen,
Wir gratulieren Ihnen zum Kauf des Reminder Ö16!
Nachdem Sie den Reminder erfolgreich in Ihrem linken Zeigefinger aktiviert haben,
nehmen Sie sich einen kurzen Moment Zeit für die folgenden fünf Aufgaben.
Danach werden Sie problemlos mit dem Reminder umgehen können und nie wieder zu Stift und Papier greifen müssen.

Wir machen uns jetzt gemeinsam mit Ihnen Gedanken – Ihre ersten Gedanken, die vom Reminder gespeichert

[dropcap]1.[/dropcap] Stellen Sie sich einmal Snapes Sterbeszene aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, II (2011) vor:
(Wenn Sie diesen Klassiker nicht kennen sollten oder einfach noch nie die Zeit dazu gefunden haben, ihn anzusehen, raten wir Ihnen jetzt dazu! Und achten Sie in diesem Zug gerne auf die etlichen Handlungen und Geschehnisse, die zu damaliger Zeit auf nichts anderem als Zauberei basieren konnten, und heute, dank unseres technischen Fortschritts längst zu Normalität gehören.)

Harry Potter kniet vor Snape, seinem Professor, den er während seiner gesamten Schulzeit wegen grundloser Demütigungen und Strafen hasste. Snape liegt am Boden. Snape blutet. Snape wird in wenigen Augenblicken sterben. Beide wissen es; und selbst ein Zauberer, nicht einmal „der Auserwählte“ kann etwas dagegen unternehmen. Snape fällt das Sprechen schwer. Die Wunden der Schlange, des Mörders erlauben es nicht, dabei möchte er Harry noch etwas sagen. Er möchte sich und sein Verhalten ihm gegenüber erklären. Alles hat einen Grund. Und weil es zu viele Worte bräuchte und das Ende des Moments nicht zu warten bereit ist, weil er nicht mehr wirklich sprechen kann, geschweige denn schreiben und weil er Zauberer ist, wendet er sich von den begrenzten Möglichkeiten der Kommunikation eines Nicht-Zauberers, eines Menschen ab. Er beginnt eine einzige Träne zu weinen und fordert Harry stumm dazu auf, diese mit einem Fläschchen aufzufangen. Harry gehorcht. Snape stirbt. 
In der nächsten Szene tröpfelt Harry diese Träne in das Denkarium in Dumbledores Büro und kann so in Snapes Gedanken eintauchen. Nicht in all seine Gedanken, sondern nur in die, die er Harry zeigen wollte.

[dropcap]2.[/dropcap] Stellen Sie sich nun vor, es gäbe keine Schrift mehr: Was bedeutet Schrift für Sie?

Die Fähigkeit zu Schreiben ermöglicht es einen Gedanken, so flüchtig er auch sein mag, auszuwählen und für unbegrenzte Zeit festzuhalten. Es ist nicht zu leugnen, die Schrift ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit; eine Errungenschaft, die vor allem den Zweck hat, Information weiterzugeben an Umfeld und Nachwelt. Wer oder was sollte diesen Schritt ablösen können? Wer sollte stattdessen zwischen der groben Idee und der ausgereiften Theorie stehen? Was sollte sonst die Grüße aus der Ferne zueinander bringen? Wie bleibt die vergangene Erkenntnis für den zukünftigen Wissensdurst abrufbar?
Es lässt sich nicht leugnen, dass die Schrift nur Mittel zum Zweck ist (Sieht man mal von Schönschriftseminaren ab und vergisst hartarbeitende Grafikdesigner). Ein Mittel, welches über so viele Jahre zur Gewohnheit wurde, lässt sich schwer aus dem Leben wegdenken, was aber nicht bedeutet, dass es nie abgelöst werden kann. Oder sogar abgelöst werden muss?

[dropcap]3.[/dropcap] Stellen Sie sich vor, die Technik wäre soweit fortgeschritten, dass man seine eigenen ausgewählten Gedanken ganz leicht selber abspeichern kann:

Die Möglichkeit Gedanken abzuspeichern, klingt irgendwie nach Gedankenkontrolle und Missbrauch und hat einen ekligen Beigeschmack von Gehirnwäsche. Anderseits klingt „Gedanken festhalten“ gar nicht gruselig und eigentlich nur nach vertrautem Tagebuchschreiben. Würde es einen Unterschied machen, wenn ich Gedanken nicht mehr aufschreiben müsste, sondern die Technik das für mich auf einem viel schnelleren Weg übernimmt? Würde ich mehr Gedanken festhalten, weil es keinen Aufwand für mich bedeutet? Oder weniger, weil ich Technik generell nicht vertraue und ihr deshalb nicht meine Gedanken anvertrauen kann?
Man würde seine vergangen Gedanken wahrscheinlich öfters mal zwischendurch abrufen, sei es aus einem bestimmten Grund, einem besonderen Interesse oder einfach nur zur Unterhaltung. Was würde das mit einem machen, wenn man genau wüsste, was man mit niedlichen 7 Jahren auf dem Hinweg zur Schule gedacht hat oder auf dem Rückweg von der Party mit wilden 17 Jahren?

[dropcap]4.[/dropcap] Stellen Sie sich ihren persönlichen Alltag vor, den eines Autors oder den eines Schulkindes:

 Wo in meinem Alltag schreibe ich? 

In der Universität schreibe ich meistens mit, da es meinem Gedächtnis nicht möglich ist, die ganze Informationsflut aufzusaugen, schon gar nicht auf Dauer. Hier wäre es von Vorteil, sich nur auf das Mitdenken und Weiterdenken zu konzentrieren ohne Stift in der Hand und trotzdem die Gewissheit zu haben, dass einem all die Gedanken im Nachhinein zur Verfügung stehen. Und auch eine Klausur oder eine Klassenarbeit, um auch an Schulkinder zu denken, könnte anders aufgebaut werden. Der zu Prüfende würde seine Lösungswege und Antworten einfach nur denken und dann für den Prüfer abrufbar abspeichern. Wären die Antworten dann weniger qualitativ, weil der Zwischenschritt des Schreibens fehlt? Wie würde ich damit umgehen, wenn ich meinen Freunden Nachrichten schicke? Wenn ich einfach nur auf einen Knopf klicken müsste und die Gedanken, die ich mir gerade gemacht habe, Freund oder Freundin erreichen würden, ohne dass ich sie vorher noch aufschreiben müsste? Man würde dann nicht sein Gedankenchaos auf den anderen loslassen, es sei denn man möchte das, sondern vorher filtern und so wie auch beim Schreiben, erst einmal in Gedanken formulieren. Und dieses gedankliche Formulieren würde dann ausreichen. Was für ein Luxus!
Autoren würden dann nicht mehr schreiben, sondern nur noch denken. Sie wären genau genommen keine Schriftsteller mehr. Sie bräuchten keinen Stift, keine Schrift, keine Schreibmaschine, keine Tastatur, müssten Niemandem diktieren, sondern einfach nur denken und formulieren. Würden Bücher schneller entstehen? Hätten sie mehr Seiten? Würde das wesentliche des Berufs Autor verloren gehen, wenn er nicht mehr schreiben müsste?
Könnte man überhaupt noch von Literatur sprechen, wenn Autoren nur noch so Texte verfassen würden? Oder ist die Schrift für die Literatur notwendig?

[dropcap]5.[/dropcap] So, genug gedacht! Berühren Sie jetzt mit Ihrem linken Zeigefinger Ihre Schläfe. 2 Sekunden genügen.

Herzlichen Glückwunsch! Ihre Gedanken sind jetzt für unbegrenzte Zeit auf Ihrem persönlichen Reminder als Datei gespeichert und können jeder Zeit von Ihnen auf Ihren mobilen Endgeräten abgerufen werden.

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